privatpraxis für prävention und therapie
fachpraxis für osteopathie
Stefan Schmitt MSc
Master of Science Osteopathie
Frank Millen HP
Heilpraktiker Osteopathie IFAO

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Die Geburt

Ostheopathie bei Babys und Kindern

Liebe Eltern!

Um Ihnen zusätzliche Informationen über Kinderosteopathie zu geben haben wir eine kleine Infoschrift erstellt die Sie in Ruhe zu Hause studieren können. Wir wünschen Ihnen eine angenehme Lektüre.

Osteopathie ist eine manualtherapeutische Richtung der Medizin. Entwickelt hat sie der amerikanische Arzt Dr. Andrew Taylor Still vor über 100 Jahren.

Seit der Entwicklung des Behandlungskonzeptes ist Osteopathie in den USA eine mit dem normalen Medizinstudium gleichberechtigte Hochschul-ausbildung. In Europa sind die Ausbildungensgänge völlig unterschiedlich aufgebaut und es fehlt bislang eine abgestimmte Ausbildungs- und Prüfungsordnung. Listen mit Therapeuten die nach dem Konsens der Osteopathieverbände ausgebildet sind finden Sie beim Verband der Osteopathen (www.osteopathie.de), www.kinderosteopathen.org, und anderen. Durch die Einführung von Satzungsleistungen seitens der gesetzlichen Krankenversicherungen werden osteopathische Behandlung seit einiger Zeit bezuschusst. Die Details klären Sie bitte mit der Geschäftsstelle ihrer Krankenkasse vor Ort. In Deutschland ist die Ausübung der Osteopathie, die sowohl bei den Ärzten als auch bei den Physiotherapeuten eine zwischen fünf und sieben Jahre dauernde berufsbegleitende Weiterbildung voraussetzt, durch ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts neu zu regeln, da die Gesundheitsministerien der Länder sich um eine Lösung drücken. Hier muss endlich der Heilpraktiker für Osteopathie geschaffen werden, damit Ratsuchende von einer guten Ausbildung des Therapeuten ausgehen dürfen der sich „Heilpraktiker für Osteopathie“ nennen darf.

Die Osteopathie ist eine Therapieform, bei der man respektiert, dass die strukturellen Bestandteile unseres Körpers, also Knochen, Muskeln, innere Organe, Nervensysteme, Bindegewebe und Fasziensystem in einer Wechselbeziehung zueinander stehen. Solange dieses Zusammenspiel funktioniert, ist unser Organismus kompensationsfähig. Durch traumatische Ereignisse, wie z. B. Probleme während der Schwangerschaft, schwere Geburt, Stürze (auch vom Wickeltisch) oder schwere Infektionen, wird das Gleichgewicht zwischen den Systemen unseres Körpers gestört. Die Folgen zeigen sich in Funktionsbeeinträchtigungen einzelner oder mehrerer Systeme des Organismus, die sich durch Bewegungseinschränkungen, Verspannung, Schmerzen, häufigen Blockierungen der Gelenke und Störungen des vegetativen Nervensystems manifestieren. Dabei entwickeln sich die Krankheitssymptome nicht unbedingt nur an den unmittelbar betroffenen Körperteilen, sondern auch an anderen Stellen. Über Bänder, Nervenstränge und Bindegewebe (Faszien), die die Knochen, Muskeln und inneren Organe miteinander verbinden, wird die Spannung bzw. Funktionsstörung auf andere Körperteile übertragen, z. B. kann eine Verspannung des Zwerchfells sich direkt auf die Leber, auf den Magen und die Lunge, und direkt über die tiefe Halsfaszie auf die Halswirbelsäule auswirken und z.B. zu einer Schädelasymmetrie führen.

Die Osteopathie konzentriert sich daher nicht auf einzelne Symptome, sondern versucht deren Vielfalt zu einem System zu verbinden. Dazu benötigt man eine ausführliche Anamnese (Befragung) und genaue körperliche Untersuchung, um die Mobilitätsverluste (Beweglichkeit) der Organe, Muskeln, Gelenke und des Bindegewebes zu beurteilen. Bei Babys und Kleinkindern findet man die Störungen meist am Schädel, Hals und im Bauchbereich. Die Funktionsstörungen entstehen entweder vor der Geburt, z. B. durch Steißlage, vorzeitige Wehen, Fruchtwassermangel oder während der Geburt, wenn der Kopf auf dem Weg durch den Geburtskanal stark zusammengepresst wird. Besonders häufig ist dies bei Frühgeburten der Fall, wenn die Schädelknochen noch unzureichend entwickelt sind und das Becken der Mutter durch das Fehlen von besonderen Hormonen noch nicht auf das Dehnen bei der Geburt vorbereitet ist. Durch den starken Druck im Geburtskanal verschieben oder verformen sich die weichen Schädelknochen so, dass Druck auf das Nervensystem und die Gefäße entsteht.

Das kann, abhängig vom Alter des Kindes, zu unterschiedlichen Symptomen führen:

Im Säuglingsalter stehen Blähungen (sog. Trimenon-Koliken), Schreiattacken, Unruhe, Saug- und Schluckprobleme, Verstopfung des Tränenkanals, Überstreckung des Kopfes, Verdauungsprobleme, Spucken, auffällige Reflexmotorik, Säuglingsskoliosen, Schädelasymmetrien und bevorzugte Kopfhaltungen im Vordergrund. Das Beschwerdebild gleicht den Symptomen des KISS-Syndroms. Beim KISS-Syndrom diagnostiziert man als Hauptursache der Dysfunktionen eine Bewegungsstörung im Halswirbelsäulenbereich. Die Kinderosteopathie sieht, wie oben erwähnt, die Funktionsstörungen im gesamten Körper und an der Schädelbasis als Ursache dieses Krankheitsbildes an. Im Gegensatz zur KISS-Syndrom-Therapie führt man bei der Osteopathie keine manipulative Therapie (Einrenken) an der Halswirbelsäule durch. So bleibt dem Kind eine hierfür notwendige Röntgenaufnahme der Halswirbel erspart. Da die Strahlenbelastung durch die Röntgenaufnahme entfällt und die Behandlungsgriffe sehr schonend sind, kann man die Behandlung der Geburtsverletzung sehr früh, idealerweise in der zweiten Lebenswoche durchführen.

Bei Kleinkindern findet man Entwicklungsverzögerung, Sprech- und Sprachprobleme, häufige Mittelohrentzündungen, beeinträchtigte Nasenatmung, hyper-reaktives Bronchialsystem, Schielen, Gleichgewichtsstörungen und persistierende Hirnstammreflexe.

Bei Schulkindern sind Konzentrations-beeinträchtigungen, ADHS, Lese- und Rechtschreibschwäche, Verhaltensauffälligkeiten sowie Bauch- und Kopfschmerzen als Folgen der genannten Funktionsstörungen zu beobachten.

Nun könnte man glauben, dass bei Kindern die per Kaiserschnitt geboren wurden, diese Probleme nicht auftreten. Dem ist aber leider nicht so. Durch Kaiserschnitt geborene Kinder entwickeln mannigfaltige Störungen, da ihnen die Kompression im Geburtskanal gänzlich gefehlt hat, was wiederum nicht natürlich ist. Daneben macht der Chirurg einen möglichst kleinen Schnitt und zieht das Kind in der Regel am Kopf aus Mamas Bauch. Hierdurch entstehen regelmäßig Zerrungen der Nackenmuskeln und Gleitstörungen der Wirbelgelenke. Eine möglichst frühzeitige Vorstellung ist absolut ratsam.

Zur Behandlung der Geburtsverletzung benutzt man osteopathische Techniken die weitgehend Einzug gefunden haben in die Manuelle Therapie. Insofern ist die osteopathische Arbeit kein Geheimwissen sondern jedem manualmedizinisch ausgebildetem Arzt oder Physiotherapeuten absolut geläufig. Die manchmal noch anzutreffenden Vorbehalte bei Kinderärzten sind dem Umstand geschuldet, dass die allerwenigsten Kinderärzte eine manualmedizinische Ausbildung genossen haben und insofern der Stellenwert der Behandlungsmethode eher mit eigenen Vorlieben bzw. Abneigungen als mit Sachkenntnis und guter Information zum Konzept zu tun hat. Es steht außer Frage, dass es mitunter schwierig ist, gut und schlecht ausgebildete Osteopathen zu unterscheiden. Hier sorgt jedoch hoffentlich bald das Verwaltungsgerichtsurteil für mehr Sicherheit und die Listen der Verbände sind gute Orientierungshilfen. Das Konzept in Bausch und Bogen abzulehnen ist jedenfalls in Anbetracht der Literaturlage nicht mehr zeitgemäß.

Für die weitere wissenschaftliche Untermauerung werden die seit einiger Zeit angebotenen Bachelor- und Masterstudiengänge sorgen, die allesamt mit relevanten Studien zu beenden sind.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Es könnte sein, dass die Symptome, die Sie veranlasst haben, das Kind in unserer Praxis vorzustellen, sich bereits nach der ersten Behandlung vollständig zurückbilden. Wir empfehlen auch dann eine Kontrolluntersuchung, da trotz Rückgang der Symptome noch Spannungsstörungen bei Ihrem Kind verblieben sein können, die zu einem späteren Zeitpunkt ein anderes Krankheitsbild hervorrufen.

Da es sich bei der osteopathischen Behandlung um eine Lösungs- und Entspannungstherapie handelt, beobachten wir so gut wie keine Erstverschlimmerung.

Die Behandlungsfrequenz im Abstand von ca. vier bis sechs Wochen ist in der Regel völlig ausreichend. Allerdings muss die Therapie bei zusätzlichen Belastungen mit diätetischen / homöopathischen, oder auch physiotherapeutischen Maßnahmen unterstützt werden. Über Art und Umfang werden wir Sie während der Behandlung unterrichten.

Wir hoffen, dass diese Informationsschrift für Sie eine Hilfe ist.
Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an uns.